Aufstieg in den Naturschutzpark der "sieben Brüder" zu Steinbock, Wildhirsch und Mufflon
Quattro mori in Bergen Bergziege Judasbaum und Mimose Wasserfall Panorama von 7 fratelli Sonntagstracht
RadwandernMit etwas schweren Beinen nehmen wir, positiv gestimmt, unsere nächste Etappe in Angriff. Die heutige Route ist nur als Halbtagestour gedacht und eigentlich ein Kuraufenthalt, denn die Radstrecke führt in die grüne Lunge von Cagliari. Dieses ruhige Naherholungsgebiet suchen im Sommer viele Einheimische zum Picknick auf, wenn sie vorm Verkehrsinfarkt rund um überfüllte Meeresstrände der Hauptstadt fliehen. Von Quartu rollen wir mit unseren Stahlrössern auf der Staatstrasse SS 125 in nordöstliche Richtung Muravera, direkt am Pass "arcu e tidu" folgen wir der Beschilderung "7 Fradis" rechts ab aufwärts. So wie hier, bauen sich überall im Landesinneren der Insel grandiose zerklüftete Gebirgslandschaften auf. Der Bergstock "sette fratelli", den unsere Gruppe ansteuert, liegt im Südosten Sardiniens und besteht aus sieben weithin sichtbaren Felszacken. Mit 1023 m über dem Meeresspiegel gelten diese markanten Granitgebilde als die höchsten Gipfel der Region und stehen dicht gedrängt, fein brüderlich Seite an Seite.Sardinien Kurvenrausch Die Bergkuppen aus berühmt edlem Baustein "granito sardo" schimmern im intensiven Licht des Südens von rotrosa bis weißgrau zu uns herüber, dazu säumen den Strassenrand duftende Ginsterspaliere und prächtige Mimosenbäume jeweils leuchtend in sattem Gelb, ein rauschender Wasserfall hängt wie ein weißer Brautschleier am roten Trachytfels. Der Frühling malt auffällig bunte Blumen an Wiesen und Felder, diese Intensität der Farbkontraste ist nicht zu überbieten, Rot, Gelb, Pink, Blau verschmelzen zu wahren Farbsymphonien. Vor den Augen spult sich das schwarze Teerband nur langsam ab, die Lungenflügel pumpen reinste Bergluft, wir atmen tief durch. Radfahren ist doch -- soooooo -- gesund, sagt mein Arzt immer amüsant. Dieser fiese Anstieg kommt uns aber vor wie ein gnadenloser Scharfrichter und kaum beschreibares Glücksgefühl breitet sich aus als wir den Berggipfel erklommen haben. Die 2,5 Meter schmale Straße ist sehr wenig von Autos befahren und führt nur an vereinzelten Wochenendhäusern oder Schafzuchten vorbei, Anklickendas fröhlich grüßende Winken eines Bauern auf dem Feld erwidern wir belustigt. Sardinien hat die geringste Bevölkerungsdichte Italiens, über lange Strecken treffen Sie unterwegs auf kein bewohntes Haus und wenn Sie sich vernünftig leise verhalten, dazu etwas Glück mitbringen, zeigt sich im angrenzend dichten Korkwald, ein seltenes Mufflonschaf oder ein Wildhirsch.
 
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