Seit
der Antike schürfte man in Sardinien erfolgreich
Erz. Schon Karthager, Phöniker, Römer, Pisani schätzten
beispielsweise das mineralienreiche südwestliche Gebiet "Iglesiente". Gefördert
wurde haupsächlich Silber zur Münzprägung, Blei
zum Bau von Rohrleitungen und Anker der Segelschiffe, Zink und
Kupfer für Waffen und Werkzeuge. Viele der heutigen Erzfundstellen
haben vorchristlichen Ursprung. Als mit Beginn der Industrialisierung
der Bedarf an Rohstoffen rapide stieg, gewann der Bergbau auf
Sardinien rasch imense Bedeutung. Im Jahr 1867 entdeckte man
im Iglesiente reiche Zinkvorkommen, ein regelrechtes
Wettrennen ausländischer Unternehmen auf die seltenen unterirdischen
Lagerstätten begann. Als Folge dieses Aufschwungs herrschte
teilweise sogar Arbeitskräftemangel auf Sardinien,
Arbeiter aus Piemont mussten damals aushelfen in den größten
Bergwerken Italiens. Der Abstieg der schlecht organisierten und
krisenanfälligen Minenbetriebe begann ab 1910. Es fehlte
jegliche weiterverarbeitende Industrie auf der Insel und mit
Einsetzen der Weltwirtschaftskrise 1929 kam hier der Bergbau
praktisch
zum
Erliegen. In den Notjahren der Nachkriegszeit rappelten sich
vereinzelt sardische Minen noch etwas auf, aber bis heute dümpelt
die überaltere Infrastruktur nur noch vor sich hin. Nur
vereinzelt spezialisierte Minen werfen noch Gewinn ab.
Die
Schutzheilige der Bergleute, "St. Barbara" wird bitterlich
weinen, denn rasch verfallen nun vergesse Industrieruinen von
einst blühenden Erzförderstätten. Stillstehende
Lorenzüge, geschlossene Grubeneinfahrten und aufgemalt zornige
Protestschriften sind unübersehbare Zeichen der gravierend
wirtschaftlichen Krise und dem folgend sozialen Desaster einheimischer
Bevölkerung. Die Natur holt sich heute Stück für
Stück dieser früher glänzenden Bergbautempel
wieder zurück, zerfallende dicke Mauern verkünden von
der Unerbittlichkeit der Zeit. Nur noch leuchtend roter Schlamm
der Gruben und von der Erosion zerfressene Abraumhalden zeugen
von einst erfolgreich geschäftigen Tagen; Der Bergbau hat über
100 Jahre das Erscheinungsbild vieler Siedlungen fest geprägt,
wie der Kohlestaub das Gesicht der Kumpel. Politiker aller Parteien
schwörten die Bergmänner immer wieder ein, "für
die Gruben Sardiniens bestehe auch in absehbarer Zeit kein Anlass
zur Sorge wegen Schließung". Diese absehbare
Zeit dauerte aber nur noch wenige Monate, bis das Ende der Förderung
besiegelt und der Steiger in die letzte Schicht eingefahren war.
Verlassene Bergwerkssiedlungen und stillgelegten Förderanlagen
vermitteln nun eine gespenstisch abenteuerliche Atmosphäre,
die beim unbeteiligten Durchwandern zwar optisch fasziniert,
aber vor allem beklemmende Stille ausstrahlt. Monteponi,
Montevecchio, Ingortosu, Orani, Nebida, Olmedo, Buggerru, Argentiera,
Masua, Carbonia, san Vito, san Gavino, Fluminimaggiore, ---- die
unvollständige Negativliste ließe sich problemlos
noch verlängern. Ort für Ort wurde stillgelegt nach
dem ersten globalen Strukturwandel seit den goldenen 60´er
Jahren. Das geförderte Bauxit, Blei, Eisen, Kohle, Kupfer,
Silber, Gold, Talkum, Zink wurde zu Schleuderpreisen einfach
aus Südamerika, Asien importiert; Heute versuchen private
sardische Genossenschaften über Besichtigungstourismus,
den abenteuerlichen Plätzen wieder etwas Leben einzuhauchen.
Bergbaumuseen, Mineralienmuseen oder Führungen durch die
Minen sollen den zahlenden Massenurlauber im Umfeld anziehen.
Dieses Zuschußgeschäft wäre aber ohne Inanspruchnahme
staatlicher Fördermittel nicht aufrechtzuerhalten. Eine
Renovierung bzw. gewinnbringende Vermarktung geomineralogischer
Parks geht äußerst langsam vorwärts und erscheint
mehr als ein Hobby ehemaliger Grubenarbeiter; Nur für den
privaten Mineralien oder Fossiliensammler bleibt Sardinien weiterhin
das "Eldorado" mit fast unerschöpflichen
Fundstellen. nach oben
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Romantische
Wildwest Goldgräberstimmung im Jahr 1900
Die aufgesetzt fröhlich wirkenden Bilder dürfen nicht darüber
hinwegtäuschen, das durchschnittlich im zarten Lebensalter von
35 - 36 Jahren gestorben wurde; 90% der Arbeiter erlebten das Rentenalter
nicht mehr. Schwere Unfälle der Bergleute
in den Gruben waren keine Seltenheit, bleibende Berufskrankheiten
wie die "Staublunge" waren die Regel. Täglich über
11 Stunden schweißtreibende Arbeit als "Hauer" in
den engen Flözen, stumpfsinnige Fließbandarbeit in Mitten
von ohrenbetäubendem Lärm. Hitze wie im Backofen, porenfeiner
Staub, Dunkelheit, bei den schonungslosen Bedingungen damaliger Arbeitswelt
wurden Mensch und Muli gleich schlecht behandelt; Die geringen Löhne
von denen auch Arbeitsmaterialen bezahlt werden mußten und
der fehlende Wohnraum führten immer wieder zu Streiks unter
anderem in den Jahren 1866, 1880, 1890, 1904, 1906 und 1920. Die
Streiks wurden
mehrfach gewalttätig beendet und es kam immer wieder zu Toten
unter den Bergarbeitern. Normal statistische
Zahlen aus dieser gnadenlosen Zeit von der Grube "Monteponi" finden
sich in den alten Bilanzbüchern von damals:
männliches
Personal (registriertes): 11489
Personen;
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arbeitende
Frauen (offiziell registriert): 1086
Personen;
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arbeitende
Kinder unter 15 Jahren: 514 arme Seelen;
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Im Jahr 1938 stampfte
man unter gewaltigen Anstrengungen, als Vorzeigeobjekt der Faschisten
und zur Versorgung der laufenden Kriegsmaschinerie, die Kohlestadt Carbonia in
nur 18 Monaten komplett neu im Sulcisbecken aus dem erzreichen
Boden; Zahlreiche Arbeiterfamilien wurden angelockt durch hohe
Löhne und Privilegien. Der Wunschtraum, Italiens Bergarbeiterdorf
Nummer Eins zu sein, schlug bedingt durch die weltweite Industriereform
im Jahr 1968 alsbald um, in einen Albtraum von geballter Massenarbeitslosigkeit;
Kostbar angeschaffte Förderanlagen (Serbariu) rosten
heute in der Reißbrettstadt himmelschreiend vor sich hin,
wie mahnende Finger schreiben sie irdische Vergänglichkeit
in den unschuldig blauen Himmel. Heutzutage
arbeiten nur noch ausgesucht wenige Minen wirtschaftlich, vor
allem durch den Abbau
von Baryt und Fluorit. Östlich auf der Insel, am "Monte
Ollasteddu", gräbt eine australisch/amerikanische
Goldminengesellschaft im großen Stil halbwegs gewinnbringend
nach Gold. Der offene Tagebau aber zerstört großflächig
intakte Natur und hinterläßt gigantisch klaffende
Landschaftwunden, deßhalb reibt sich die Naturschutzvereinigung "lega
ambiente" juristisch seit Jahren heftigst mit der Bergbaugesellschaft
vor Gericht; Im Sommer 2003 machte die regionale Presse bekannt,
daß die italienische Regierung ein Atommüll - Endlager
in einem stillgelegten 1000 m tiefen Eisenerzbergbaustollen im
Südwesten(Iglesias) zu errichten plane. Eine konzentrierte
massive Widerstandskampagne der sardischen Bevölkerung zeigte
rasch Wirkung. Kleinlaut ließ die römische Berlusconi Staatsregierung
vermelden, daß es "vorerst" keinerlei
derartigen Pläne auf Sardinien gebe und die Untersuchungen
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