Emigration  < Heimat in der Fremde -- oder -- Fremder in der Heimat >
Auswandererstatue Unabhängigkeit ? Argentiera Regierungsprogramm tirrenia
"Auswanderer, der du die Meere überquerst, umherirrst um das Glück zu finden, wer weiß? Muttererde (Heimat) gibt es nur einmal und früher oder später kehrst du zurück zu deinen Wurzeln!"  (mahnende Gedanken eingraviert neben einer Bronzestatue im Ort "Terraseo")

Fast völliges Fehlen von großen Industrieanlagen oder Wirtschaftszentren machen die Insel traurigerweise, mit zur ärmsten Region Italiens. Noch auf der Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris, zur Hochblüte unserer industriellen Revolution präsentierten sich vier sardische Minenbetriebe als Vorbilder im modernene Bergbau. Jetzt nach knapp 100 Jahren, stehen übrig gebliebene Ruinen schon unter dem Schutz der UNESCO als Weltkulturerbe. Stollenarbeit 1940

Durch den wirtschaftlichen Umbruch und internationales Preisdiktat von südamerikanischen Konkurrenzfirmen war Rentabilität und Glanz dieser Zeit (ca. 1920 - 1960) bald vorbei, im Dutzend erfolgte die Schließung fast aller Bergbauminen. Erste unschuldige Opfer der sogenannten Globalisation waren somit die Bergarbeiter mit Familien. Schlagartige Massenarbeitslosigkeit trieb Grubenarbeiter und Angestellte der Zulieferbetriebe entweder zu Protestdemonstrationen auf die Straße, oder meist gleich zum Broterwerb ins nahe europäische Ausland; Für einen Sarden im Exil ist Sardinien verlorenes Paradies und gelobtes Land, das sich aber im gleichen Moment wieder auflöst, wenn er mit dem Gedanken spielt, sich hier noch einmal niederzulassen. Denn für den, der dort unten lebt, ist der Überlebenskampf kein Paradies, und der Zauber wird schnell von den Mühen des Alltags und den schlimmen Familienfehden zerstört. Das Paradies existiert, solange diese Spannung besteht zwischen zwei verschiedenen Welten und die eine sehnsüchtig nach der anderen trachtet. Insgesamt 400000 Sarden sind bis heute zur Arbeitssuche verstreut in alle Welt ausgewandert, doch zumindest während Sommer/Weihnachts/Osterferien zieht es den Emigranten immer wieder in die vertraute Heimat zurück. Übrigens wurde in den 60´er Jahren, der erste landesweit italienische Generalstreik in Sardinien ausgelöst.
Porto TorresÖkonomisch betrachtet ist die Insel auch heute noch dem strukturschwachen "mezzogiorno" zugerechnet (finanziell weniger starker italienischer Süden) und durch Mittel aus dem europäischen Regionalentwicklungsfonds gefördert. Anfangs großmächtig geplante staatliche Programme ("rinacita"1962) zur Industriebelebung (Petrochemie) waren meist nur leere Versprechungen und gingen allesamt baden. Bedingt durch notwendigen Fährtransport zum Festland liegen alle Produktionskosten, ganz gleich was hergestellt wird, vergleichsweise um 30% höher als bei den kontinentalen Mitbewerbern auf dem Markt. Durch abgeschiedene Insellage Sardiniens (Isolation entstammt dem Wort "isola/Insel") und beständig fremde Ausbeutung, entstand im Laufe der Geschichte weitverbreitete Verarmung und wirtschaftliche Unterentwicklung. (Die vergessene Insel)
Gesetzt wird nun voll auf das Zugpferd Massentourismus, wobei die Regionalregierung bemüht ist diesen Ausbau naturverträglich zu gestalten. Das enorme Kapital der Investierungen im Touristikbereich wird nur zum minimalen Teil sardisch lokal gesteuert und zugunsten von Arbeitsplätzen an Einheimische und deren Einkommen ausgeschüttet. Das Meiste an erwirtschafteten Gewinnen wandert eilends auf das Festland Richtung Mailand/Turin/Rom, ist und bleibt "kontinentales" oder gar ausländisches Geld. Der starke Wirtschaftszweig der Urlaubsindustrie hat zwar alle vorübergegangenen Inselkrisen bisher noch bestens überstanden und verzeichnet riesige Zuwächse, aber fehlende große Infrastrukturen zeigen sicher bald auch dieser rasanten Entwicklung ihre Grenzen auf. Beschränkte Trinkwasservorkommen, marodes Leitungswassernetz, kaum ausgebaute Verkehrsadern, fehlende Massenmüllendlagerung, wenig Naturschutz, sind verdrängte Themen die in Zukunft sicher aufgeworfen werden müssen. Schnell zwei Wochen "arbeitsfrei" auf einer Insel in erreichbarer Nähe verbringen, wo andauernd durchschnittlich 20 % Arbeitslosigkeit zur Geisel der ortsansässigen Bevölkerung geworden ist, eigentlich ein Widersinn in sich!
[traurige Zahlen aus 2005 sprechen von 93000 Arbeitssuchenden, davon 22,6 % Jugendliche unter 24 Jahren]      nachNach oben oben
Verschiebung beruflicher Strukturen auf Sardinien (Beschäftigte Personen)
 
Dienstleistungssektor, Tourismus, Handel, Banken, Staatsdienst, Versicherungen, Medizin, Transport, Schulen
Verarbeitende Betriebe, Industrie und Handwerk
Herstellende Firmen, Steinbrüche, Minen, Fischerei, Ackerbau, Viehzucht
Jahr 1891
16 %
23 %
61 %
Jahr 1991
50 %
37 %
13 %
Jahr 1993
60,8 %
27,1 %
12,1 %
Jahr 1996
64,3 %
24,7 %
11 %
Jahr 1999
68,8 %
22,4 %
8,8 %
Jahr 2001
68,5 %
23,1 %
8,4 %
Jahr 2003
69 %
23,9 %
7,1 %
Jahr 2006
70,7 %
24,9 %
4,4 %

Offizielle Arbeitslosenstatistik   Sardinien   " ISTAT "   (Agenzia Regionale del Lavoro, via is mirrionis 195, 0912 Cagliari)
 
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
18,2 %
19,7 %
20,3 %
20,0 %
20,0 %
20,6 %
21,0 %
20,7 %
18,6 %
19,3%
16,9 %
17,2 %
13,5 %
10,6%
Jugendarbeitslosigkeit (Alter 16 - 24 Jahre)  
52 %
47,1 %
48,3 %
43,7 %
35,5 %
22,6 %
 18,1%
Schattenseite: Bedingt durch diese schon früh einsetzende Perspektivlosigkeit der Jugend, grassiert das Drogenproblem im Untergrund und der große Bruder der Sucht, die Beschaffungskriminalität nimmt seine verführten Schützlinge fest bei der Hand. Die Anzahl der Kleinverbrecher und Langfinger steigt, die Gefängnisse sind überfüllt. Eine Arbeitslosenversicherung wie in Deutschland gibt es auf Sardinien nicht: wer arbeitslos ist, muss selber sehen, wie er zurecht kommt. Hier gilt die eigene Familie als Stütze, denn staatliche Sozialhilfen sind kaum der Rede wert. Die italienischen Gesetze der Arbeitsplatzsicherheit(Kündigungsschutz), sind ziemlich arbeitnehmerfreundlich, was für den, der schon eine feste Anstellung hat, natürlich von Vorteil ist. Leider hat das aber auch die unangenehme Nebenwirkung, dass Arbeitgeber oft lieber ausgeklügelte Saisonzeitarbeitsverträge abschließen, die eben kein festes Angestelltenverhältnis bedeuten. Oder schlimmer noch, Schwarzarbeit darstellen. Vor allem in den Monaten der Sommerhochsaison ist der Anteil an Schwarzarbeit sehr hoch, Schätzungen gehen von 30-40% aus.     nachNach oben oben
  Danke für Ihr Interesse | info@sardatour.com | © 2003 - 2008 Sardatour.com