Geschichtsablauf in groben Stichpunkten

Um eine reservierte, manchmal verschlossene Mentalität der Sarden besser zu verstehen, ist es hilfreich, die Inselchronologie etwas zu beleuchten. Die Vergangenheit Sardiniens ist durch die Tatsache gekennzeichnet, daß sie eine einzige Abfolge über das Meer kommender Eindringlinge ist, gegen die die Eingeborenen meist erfolglos Widerstand leisteten. Ein geflügelter Ausspruch hält sich hartnäckig auf Sardinien.: "Furat chie venit da´e su mare"  ---- Wer über das Meer kommt, ist ein Dieb! Fremde Volksstämme die in der Vergangenheit übers Meer kamen, hatten ausnahmslos Übles im Sinn. Die strategische Insellage im Mittelmeer weckte schon früh rücksichtslose Begehrlichkeiten von vielen mächtigen Invasoren. (Zentral gelegene Versorgungshäfen im Mittelmeer, Sklavenrekrutierung, Kornkammer für den Kontinent, militärischer Stützpunkt, Gefängnisinsel, Raubbau von Bodenschätzen) Eine geschichtliche Eroberung löste schon die Nächste ab, jede herrschende Kolonialmacht war meist auf Ausbeutung bedacht und drückte jeweils dazu der verarmenden sardischen Bevölkerung ihren prägenden Stempel auf. Diese aufeinanderfolgenden Wellen von Eindringlingen, die über Jahrhunderte hinweg anhaltende Angst vor barbarischen Piraten, die Bedrohung durch die Malaria, all das trieb einen Großteil der unbeugsamen Bevölkerung in die schwer zugänglichen Berge. Mit rücksichtslosen Gewaltmaßnahmen sicherten die jeweiligen Besatzer vom Festland ihre Herrschaft über das Inseljuwel. Die lange Negativliste der Nutznießer reicht von Phönikern, Karthagern, Römern, Vandalen, Byzantiner, ligurisch Genua, toskanisch Pisa, spanisch Aragon, Katalonien, Österreich, Savoyen/Piemont, Frankreich, England, bis zum faschistischen Italien und der amerikanischen Nato. Das harte tägliche Leben, das noch heute in vielen Regionen der Insel herrscht hat den Sarden durch die Mühsalen geformt, hat ihn rauh gemacht. Dunkle Augen in verschlossenen Gesichtern schauen deshalb immer noch jeden Fremden prüfend an, skeptische Zurückhaltung im eigenen Blick. "Und trotzdem gehört heute - erstaunlicher Weise - die angeboren elementare Gastfreundlichtkeit gegenüber Fremden immer noch zu den höchsten Gütern der Sarden. Freundlich reserviert, aber immer hilfsbereit und zuvorkommend !"
Windkraft
Betili von Tamuli
Wirklichkeit und Phantasie
Insel Zeitlauf zwischen
Vergangenheit und Zukunft
Nuraghe Glashochhäuser Pirri

Der Dichter und Schriftsteller D.H. Lawrence schreibt in seinem Buch Sea and Sardinia: "Sardinien liegt außerhalb der Zeit und der Geschichte"! An dieser gewagt poetischen Behauptung ist sicher Wahrheit. Unzählig fremde Kulturen haben sich auf dem Eiland angesiedelt. Sardinien hat diese verschiedenartigen Einflüsse ausgearbeitet und in die eigene Kultur eingewebt, aber nie zugelassen, das sein eigenes Herz davon betroffen oder gar verändert wurde. Das lässt diese Insel heute so einmalig und originell erscheinen.
Erstmals im 13. Jh.v.Chr nennen lybisch/arabische Seekarten den Namen "Sardaniyah" und sprechen von der Ankunft eines Volkes vom afrikanischen Kontinent? Die Bezeichnung "Shardan" ließt man auf alten Phönikerinschriften; Namensgeber war vermutlich der erste Herrscher im südlichen Nora. Jahrtausende der Menschheitsgeschichte sind an der Insel vorbeigezogen, ohne sie scheinbar groß in ihrem Wesen verändert zu haben. Irgendwo in den blauen Weiten des Mittelmeers befand sich Sardinien stets am Rande der dominierenden Kulturen. Erst der Anfang 1970 einsetzende europäische Badetourismus brach die lang anhaltende Isolation Sardiniens etwas auf.
römische Inselkarte

Ausschnitt aus römischer Seekarte von Claudius Tolomeus (2.Jahrhundert n.Chr)

altspanische Inselkarte

spanische Inselkarte auf Pergament gezeichnet (1560)

 

topografische Inselkarte 1645

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Obsidian

Muttergöttin

Tanitsymbol

Stierkopfsymbol

Gigantengrab

Antastempel

römisch

Malaspina

spanisch

Arborea

argentiera

pirri

Sardinien

Es ist schwierig das exakte Beginndatum erster menschlicher Besiedlung auf Sardinien zu rekonstruieren. Vermutlich lockte in der Altsteinzeit das schwarze Vukanglas Obsidian am "Monte Arci" erste seßhafte Menschen um 7000 v.Chr. von den östlichen Mittelmeerrandgebieten auf die Insel.
3300 v.Chr. Ozierikultur/Kupferzeit (Funde von kunstvollen Keramiken und rundlichen "dea madre" Kultfiguren in Höhle san michele bei Ozieri)
1900 v.Chr. Beginn der ausdrucksstarken Nuragherzeit bis ca 500 v.Chr. schwunghafter Handel mit seefahrenden Mittelmeernationen (Bronze/Kupfer)
1000 v.Chr. Landung der Seefahrernation Phöniker auf Nora / Tharros / Cagliari, --- Handelszentren, erste Erwähnung des Inselnamens "Shrdn" .
510 v.Chr. Karthager aus Richtung Libanon und Tunesien erobern Sardinien bis auf das widerspenstige Landesinnere.(Region Barbagia) --- Erweiterung und Befestigung der bestehenden Häfen.
238 v.Chr. Rom annektiert die aufständische Insel ("barbari pelliti" fellbekleidete Banditen) und macht sie 177 v.Chr. gewaltsam und rücksichtslos zur römischen Provinz. Ein Bauboom setzt ein. (Strassentrassen/Brücken/Hafenausbau/Tempel/Amphitheater/Thermalbäder)
450 n.Chr. Nach dem Niedergang des starken römischen Schutzreiches fallen die Vandalen an der südlichen Küste der wehrlosen Insel ein.
534 n.Chr. Byzanz befreit Sardinien aus der Knechtschaft der Vandalen. Blühender Sklavenhandel Richtung des orientalischen Königreichs setzt ein.
552 und 598 n. Chr. Goten und Langobarden hinterlassen jeweils für 1 Jahr ihre negativen Spuren als Besatzer auf Sardinien.
710 n.Chr. Zunehmend ruinöse Piratenüberfälle der islamischen Sarazenen und afrikanischen Berber an unbewachten Küstenstreifen. Die Bewohner verlassen Küstenstädte und flüchten ins sichere Landesinnere.
900 n.Chr. Selbstorganisation der Sarden gegen Araberüberfälle. Entstehung der 4 eigenständigen Judikate mit Gebietsgrenzen (Logudoro, Gallura, Arborea, Cagliari)
1016 n.Chr. Die kriegserprobten Seemächte Genua und Pisa strecken ihre Machtfinger nach Sardinien. Sie kommen "um das Abendland zu retten"
1164 Die Insel wird zwischen Genua und Pisa politisch zweigeteilt.
1323 Der Herzog von Aragon landet mit einem großen Heer und erobert die Insel. (Gründung des Königreich Sardinien/Korsika)
1354 Die Herrscher von Aragon vertreiben die Bevölkerung von Alghero und siedeln katalanische Bewohner an. Eine katalanische Kolonie entsteht, deren spanische Wurzeln sind bis heute deutlich sichtbar.
1392 Kurzfristige relative Unabhängigkeit der Insel. Eleonora von Arborea erlässt ein eigenes Gesetzbuch, die "Carta de Logu". Gültigkeit bis 1827
1409 Auch das letzte sardische Richtertum Arborea erlischt endgültig nach der verlorenen Schlacht von Sanluri.
1479 Das junge Königreich Sardinien wird der spanischen Krone untergeordnet.
Die Spanier gründen die ersten Universitäten auf Sardinien: 1562 in Sassari, 1620 in Cagliari.
1637 Die französische Flotte geht in Oristano an Land und plündert.
1708 Nach den spanischen Sektionskriegen und der Besetzung durch England/Österreich, fällt das Königreich Sardinien bei den Friedensverhandlungen von Utrecht, an Österreich.
1717 Spanien erobert die Insel wieder und ein Jahr später wird sie im Tausch mit Sizilien, dem Herzog von Savoyen zugeteilt
1793 Frankreich greift la Maddalena/san Pietro/Cagliari an, wird aber verlustreich zurückgedrängt.
1803 Englands Admiral Nelson geht an der vorgelagerten Insel la Maddalena vor Anker für fast 2 Jahre.
1820 Gesetz zur Bodenreform. Mit dem Erlaß der Einzäunung geht aller gemeindlicher Landbesitz in Privateigentum über. (meist adelige Feudalherren) Neues strenges Pachtsystem lässt Banditemtum entstehen
1861 Unter piemontesischer Herrschaft endet das Königreich, Sardinien wird Teil des italienischen Staatsverbandes unter Vittorio Emanuele II.
1871 Bau der ersten Eisenbahnlinie von Cagliari nach Arbatax. Die Bergwerke im Sulcis und Iglesiente nahmen ihren Betrieb auf.
1915 Ein aus Sarden bestehendes Kriegsregiment "Brigata Sassari" erlangt große Berühmtheit durch aufopferungsvolle Schlachten auf dem italienischen Kontinent gegen die Österreicher.
1926 Grazia Deledda aus Nuoro, gewinnt den Nobelpreis für Literatur.
1938 Für die faschistische Kriegsindustrie werden sardische Kohle und Erzminen im großen Stile ausgebeutet. Sardischer Granitstein verziert die meisten Monumente Roms.
1943 Besetzung der Insel durch Hitlers Armee. Cagliari ist das Ziel vernichtender Anglo/Amerikanischer Bombenangriffe. Die Hauptstadt zu 75 % zerstört. Deutsche Truppen rücken aber frühzeitig ohne große Zerstörungswut von Sardinien Richtung Korsika zurück.
1948 Italienische Nationalversammlung erläßt den lang ersehnten autonomen Sonderstatus für das Eiland Sardinien; Es gibt drei Provinzen: Cagliari (sardisch: Casteddu) mit der Inselhauptstadt, Sassari (Tàttari) und Nuoro (Nùgoro).
1952 Sardinien hat endgültig die Krankheit Malaria besiegt. Das letzte verseuchte Gebiet um die sumpfige Temomündung/Bosa ist trockengelegt und vom Fiebererreger befreit.
1962 Das Konsortium um Prinz Aga Khan erwirbt den nordöstlichen Küstenstrich "costa smeralda", im Gefolge beginnt die Entwicklung zum Badetourismus auf Sardinien;
1965 Die Nato greift sich das strategische Sardinien, überall entstehen hermetisch abgeschirmte Militärbasen für Marine/Luftwaffe.(Capo Teulada, Santo Stefano, Decimomannu, Quirra)
1974 Als vierte sardische Provinz wird Oristano (OR) aufgenommen.
1985 "Francesco Cossiga" aus Sassari wird italienischer Präsident.

1999 Die sardische Sprache wird vom italienischen Parlament als eigenständige Sprache anerkannt. Gleichberechtigt neben der italienischen Sprache, kann "sardu" nun an den Schulen unterrichtet werden.

2003 Per regionaler Volksabstimmung wird die Neugliederung in insgesamt 8 Provinzen beschlossen; (Sulcis Medio Campidano - Ogliastra - Gallura - Nuoro - Sassari - Oristano - Cagliari).