Historischer Begräbniskult im Zeichen des Stieres  "Feenhäuser / Gigantengräber"
Gigantengrab Animation Skizze Gigantengrab li Lolghi, tomba dei gigante Is concias, tomba dei gigante sa coveccada
Gigantengräber (Bronzezeitalter ca. 1800 v.Chr. – 400 v. Chr.)
 
 
 
 
 
 
 
Coddu vecchiu, Stele
is concias innen
Santu Bainzu Stele
sas concias
Borore Stele
domus de janas sedini
domus de janus , partulesi
Während der späten Jungsteinzeit fand auch auf Sardinien eine Kulturrevolution statt: Der Mensch in schriftlosen Gemeinschaft gab sein streunendes Jäger – und Sammlerdasein in dieser Übergangszeit auf, er wurde sesshaft, entwickelte Keramik, Ackerbau und Viehzucht. Weit verbreitete Bestattungsform zu dieser Zeit in Europa waren aufgeschlichtete Megalithgräber. Oft in total abgelegener Hügelregion verstreut über die Insel Sardinien, versteckt zwischen Korkeichen thronen imposant noch 321 Stück dieser mystischen Grabanlagen aus der Nuragherkultur. Die aufgeschlichtet behauenen Steinquader regen seit jeher Phantasien der Bevölkerung an. Um die gangartigen Sippengräber ranken sich allerlei Geheimnisse, und nicht wenige Inselbewohner vermuten eine heilsame Wirkung auf Seele und Körper. Eine weitverbreitete Legende erzählt von Giganten, ausgestattet mit übermenschlichen Kräften, welche diese Begräbnisstätten errichtet haben sollen. (Länge zwischen 8 und 28 Metern, Breite zwischen 1,5 und 6,5 Metern, Höhe 2 – 3 Meter) So sehr diese Großsteingräber wie beispielsweise "Coddu vecchiu", auch unsere Phantasie ansprechen, im wissenschaftlichen Sinne haben sie leider ein weitreichendes „Schweigegelübde“ abgelegt. Trotz modernster Radiokarbonmethode(C14) und Luftbildarchäologie liefern die Steine selbst keine zuverlässigen Informationen. Die stummen Zeitzeugen sagen nur aus, wie alt sie geologisch sind und wo sie herstammen, jedoch nicht, wann sie aufgerichtet wurden, von wem und zu welchem Zweck. Leider ganz selten stießen die Forscher noch auf versiegelte Langhügelgräber. Meistens kamen die Archäologen zu spät, die Ganggräber waren bereits von Grabräubern geplündert. Die bekanntesten Wahrzeichen noch in halbwegs Erhaltungszustand finden sich bei Li Loghi, Coddu Vecchiu, bei Arzachena (SS) Sa Ena e´ Thomes bei Dorgali (NU) Tamuli bei Macomer (NU); Weitere größere Gigantengräber sind: Aiodda (NU), Domu e s´Orku (CA), Imbertighe (NU), Is Concias (CA), Muraguada Provinz Oristano (OR), Osono (NU), Selene (NU) und Su Monte e s´Ape (NU).
Die Nuragher bestatteten in diesen charakteristisch, fast unverwüstlichen Sarkophagen keine Giganten, sondern vermutlich waren es Familiensammelgräber der Stammesfürsten; Das Felsengrab war nie der Bestattungsplatz aller Toten dieser Kultur, sondern allenfalls ihrer Eliten. Die steinernen Kistengräber lagen nicht offen zutage, sie wurden fast alle in Hügelform von meterhohen Erdschichten bedeckt. Im Laufe der Jahrtausende hat die Erosion etliche Kubikmeter Erdmaterial abgetragen und weggewaschen. Wenn wir uns vergegenwärtigen das die Megalithgräber häufig auf waldfreien Anhöhen errichtet wurden, dann lässt sich erahnen, welch gewaltige Landmarken diese Monumente gewesen sein müssen. In der Draufsicht haben jene oberirdisch angelegten Grabmale meist die stilisierte Form eines Stierkopfes mit großen Hörnern. (Die verehrte mächtige Gottheit dieser Kultur ?) Präzise in Reihe vertikal aufgestellte Steinplatten und exakt vermessen symmetrische Seitenflügel, zeigen hohes architektonisches Verständnis. Sakrale Landschaftsgestaltung mit aufwendig gefertigten letzten Ruhestätten für angenommen 100 bis 200 Skelette bezeugen einen ausgeprägten Totenkult während dieser spannenden Siedlungsepoche.   nachNach oben oben

Das Eingangsportal der antiken Sammelgräber bildet jeweils eine spektakuläre, tonnenschwere Stele (beeindruckende 4,50 m hoch, 7 Tonnen schwer). Jede massive Granit oder Basaltplatte erscheint wie die Grenzschwelle zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Der Boden dieser senkrecht aufgestellten Abschlussplatte wird von einem kleinen Torbogen unten durchbrochen. Über der kleinen Ausgangsöffnung für die Seelen, entdeckt man manchmal eine eingemeißelte runde Opferschale. Das Sterben wurde nur als Beginn einer Seelenreise ins ewige Leben angesehen, dabei begleitete der Stiergott mit seiner Kraft und Vitalität; Am Vorplatz des Stammesgrabes wurden Opfer dargebracht und Versammlungen abgehalten, steinerne Wächter (betili) stellen Abbilder von Gottheiten dar und sollten die Zeitreisenden offensichtlich vor bösen Mächten beschützen. Zahlreiche bedeutende Ausgrabungsfunde, antike Votivbeigaben für die letzte Reise, wie Keramik oder Bronzeschmuck, sind in nahen archäologischen Museen ausgestellt. Letzte Fundstücke, datiert auf 400 n.Chr. lassen auch auf eine noch viel spätere Nutzung der Grabmale schließen.

Leider wurden im Laufe der Geschichte die rechteckigen, gedeckten Kistengräber in menschlichem Unverstand mehrfach geplündert und vielleicht auch als Steinbruch benutzt. Regen und scharfer Passatwind nagten ebenso an den aufgeschlichteten Steinplatten der Grabkammern. Oft lassen sich nur noch aus den wenigen widerstandsfähigen Überresten, die ehemaligen Dimensionen schätzen.

Domus de Janas (mysteriöse Höhlenwohnungen datiert auf 4000 - 2500 v. Chr.)

Begriff aus der sardischen Sprache - bedeutet soviel wie: Häuser der Feen. Der Name findet seine Begründung in dem Volksglauben, daß diese Höhlen von Fabelwesen bewohnt werden. In der Jungsteinzeit wurden meist in weichen Kalksandstein schmucklose Grabkammern mit einfach rechteckigem Grundriss geschlagen. Der sorgfälltige Innenausbau mancher künstlicher Höhlen hat den Charakter eines frühen Kultortes; (Raumhöhe 1,50 Meter, Tiefe 2 bis 15 Meter) Insgesamt 1100 Stück ( CA. 164, NU. 456, SS. 480 ) dieser in weichen Tuffstein geschnittenen Familiengruften sind gleichmäßig über ganz Sardinien verteilt; Die antike Nutzung (Zeremonienlätze, Wohnungen, Grabkammern) der unterirdischen Gewölbe lässt viel Spielraum für allerlei Spekulation. Mit manchmal bis zu 8 verzweigten Grabkammern besteht wie bei Maulwürfen ein unterirdisch verknüpftes System; Untereinander verbunden sind die Zimmer mit 1 Meter hohen Durchgängen; Vereinzelt werden die Innenwände über den Türstöcken verziert mit astronomischen Ornamenten oder schematischen Motiven aus der Tierwelt. (angedeutete Stierköpfe, Schaf oder Ziegenhörner) Der einzige Außenzugang zum religiösen Haus der Seelen „domus de janas“ wurde durch einen schweren behauenen Steinquader fugendicht verschlossen;


     
Getreideanbau und Viehzucht war unter den Menschen dieser sardischen Kultur bekannt und bereits weit verbreitet. Der rege Fernhandel mit Stämmen aus dem östlichen Mittelmeerraum blühte. War Sardinien einst auch das Zentrum der Metallverarbeitung? Viele Spekulationen sprechen dafür, denn wegen der sauberen und soliden Ausführung von Kunstwerken bzw. Waffen war sardische Bronzeware im Mittelmeerraum sehr begehrt. Hunderte Fundstücke im angrenzenden Mittelmeerbecken (etruskische Gräber) können eindeutig sardischer Produktion zugeordnet werden. Italienische Hobbytaucher hoben aus den Meeresuntiefen vor der sardischen Inselküste, einige zur Verarbeitung gussfertige Bronzebarren ans Tageslicht. Die Reinheit und stoffliche Zusammensetzung der Legierung lässt auf Material aus der Toskana schliessen. Lagen diese Rohbarren im Bauch eines Importschiffes, bestimmt für filigane Bearbeitung unter sardischer Nuragherhand? Im "Bronzeboom" gab man aus religiösem Kult den Verstorben damaliger Zeit, für die letzte Reise geweihte Talismänner mit auf den Weg. Sie wurden als Mittel zum Schutz der Reisenden oder zur Kontrolle über die bösen Mächte betrachtet. Die verstorbene Seele sollte am Erreichen des Ziels - ewiges Leben - unterwegs nicht gehindert werden. Zur Herstellung dieser nur wenige Zentimeter großen „Bronzetti“ wurde das ursprüngliche Modell kunstvoll zuerst nur in Bienenwachs geformt. Mit einer Tonpaste beschichtete man den Wachsrohling und brannte anschließend die Form. Das Wachs schmolz, übrig blieb die perfekte gratfreie Gussform. Diese damals zur Perfektion ausgearbeitete Technologie und das aufgebaute Fachwissen handwerklicher Bronzeverarbeitung lockte wichtige Handelspartner an. Gleichzeitig wurden aber erstmals auch fremde Begehrlichkeiten auf die Insel geweckt, denn schließlich ließen sich auch überlegene Hieb und Stichwaffen aus Bronze qualitativ hochwertig verbessern.
Im Inselosten bei Tertenia im Quiratal , im "Bivio Carmine" wurden im 14. Jh. zahlreiche Bronzefiguren aus der Nuragherzeit ans Licht gebracht. Doch ein übereifriger Pfarrer sorgte dafür, daß aus diesen "heidnischen Göttern" eine christliche Glocke gegossen wurde. Etwa 500 Stück dieser 10 - 40 cm hohen Statuetten hat man bisher gefunden und den Großteil im Nationalmuseuum Cagliari zusammengetragen. Abgelegen von den ausgetretenen Tourismuspfaden, frei zugänglich, werden heute nur wenige dieser letzten Ruhestätten aus vorchristlicher Zeit in Ehren gehalten. Einst heilige Höhlengräber werden vielfach respektlos als praktischer Schafpferch oder wilde Mülldeponie entweiht. Ohne Pflege, stürzt langsam die weiche Kalksteindecke der Räume ein, Mutter Natur ebnet den Rest im Laufe der Jahre ein. Noch besonders gut erhaltene Grabanlagen zeigen sich bei: Alghero(Anghelu Ruiu), Bonorva(Sant Andrea Priu), Villaperuccio(Montessu) nachNach obenoben

    

Bedeuten diese gesammelten Gravuren, das nuraghische Alphabet ?

Feenhaus bei Nuoro sas concas Tamuli Dolmen Andriu priu, Stier bonorvara, riu mulinu
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