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In
den wirren Zeiten des 16. Jahrhunderts, begannen ab dem Jahr 1502
mit
der Herausgabe des spanischen Dekrets (endgültige Jagd auf
die Mauren), die alles vernichtenden Attacken von vereinigten
Piratenstämmen (muslemische Sarazenen/nordafrikanische Berbervölker,
aufgestachelte Türken) rund um auf die schutzlose Küste
Sardiniens.
Zur Blütezeit des afrikanischen Kontinents waren in den Häfen des nordafrikanischen Meeres die Berbervölker zu Hause, in unregelmäßigen Abständen griffen sie ungesicherte Regionen der Insel an und verschleppten alles was sie vorfanden, Menschen, Tiere, Hab und Gut. Über Jahrzehnte trugen die wild plündernden Barbaren Tod und Verwüstung an Sardiniens Küstenlinie, als endlich im Jahr 1587 die spanische Krone König Philipp II entschied massiv einzugreifen. Da der Unterhalt eines spanischen Schutzheeres auf Sardinien zu kostspielig erschien für die iberischen Herrscher, erarbeiteten die Militärstrategen einen umfassenden und geschickten Verteidigungsplan. Der Bau eines Schutzgürtels aus einzeln stehenden Wehrtürmen rund um die Insel wurde organisiert und sofort begonnen. Man mauerte die runden soliden Türme entlang der gesamten Küste Sardiniens, sie wurden jeweils zur nächsten Befestigung in Sichtweite positioniert, um Signale zu übermitteln, die Küste zu kontrollieren und Gefahren sofort weiter zu melden. Deshalb findet man sie immer ca. alle 10 km auf erhobenen Positionen mit gutem Ausblick aufs Meer.Die kleineren Türme waren nur leicht bewaffnet und wurden überwiegend für die Sichtung und Übermittlung von Signalen verwendet (Senzillas), andere Bauten wiederum sind mächtiger und zur Verteidigung mit 4 großkalibrigen Kanonen ausgestattet (Gagliarde). Die Kosten für den laufenden Unterhalt (Reparaturen, Munition und Sold der Wachsoldaten) wurden aus einer extra eingeführten Kriegssteuer gedeckt. Alle sardischen Gebiete um den jeweiligen Wehrturm, auch Dörfer Richtung Landesinnere weiter von der Küste entfernt, mussten für diesen Schutz gegen die Invasionen eigene Abgaben zahlen. Um die Türme zu verwalten wurde eigens eine eigene Artellerieeinheit vor Ort geschaffen. Aus Geschichtsdokumenten wissen wir, das ein Leben dieser Turmsoldaten äusserst hart war. Ein meist geringer Sold ersetzte nicht die einsamen Qualen enger ungeheizter Räume im dusteren Steinturm, Tag und Nacht konzentrierte Bereitschaft im Schichtdienst, oft existierte nicht mal eine Wasserzisterne. Schwere Krankheiten und Verletzungen waren an der Tagesordnung, im Angriffsfall wurden regelmässig ganze Turmeinheiten unter Beschuss ausgelöscht. Als Wachsoldaten wurden deshalb nur Männer im mitlleren Alter, kinderlos ohne eigene Familie, und mit körperlicher Topform ausgewählt. Manche verbrachten ihr halbes Leben in diesen Verteidigungstürmen. Die spanischen Wehrtürme waren für den Tag und Nachtalarm ausgelegt. Mit akustischen (Trompeten/Marinehörner) oder optischen Alarmsignalen (Blinkfeuer/Rauchzeichen) wurde die Ankunft feindlicher Schiffe schnell ins Hinterland gemeldet. Bis zum zügigen Eintreffen einer Verstärkung aus dem Heer, musste die Turmbesatzung hinhaltenden Widerstand leisten. Eine der schlimmsten Überfälle war der Angriff auf Carloforte "torre san vittorio" am 3.September 1798. Am Meereshorizont tauchten plötzlich 700 Piraten auf und nach 2 Tagen aufopferungsvoller Verteidigungsschlacht war es um das vorgelagerte Inselchen san pietro geschehen. 900 einheimische Sarden wurden als Sklaven nach Tunesien verschleppt und nie mehr gesehen. Nach dem ausgehandelten Friedensvertrag zwischen den Barbaren und den Regentschaften von Tunesien und Algerien, begannen die nadelstichartigen Angriffe an Sardiniens Küsten langsam abzuebben. Das Verteidigungssystem der sardischen Küstenlinie war aber noch in Funktion bis ins Jahr 1867. Später zweckentfremdete man die so charakteristischen Turmbauten als Meldesichtposten für den Tunfischfang, wenn sehnsüchtig erwartete Tunfischschwärme entlang der Küste auftauchten. Oder als Gefängnis bzw. menschliche Quarantänestation. Heute sind viele verfallende Türme zu wilden Mülldeponien oder billigen Schafpferchen verkommen. Von den heute ca. 150 Stück kartographisch oder in geschichtlichen Dokumenten erfassten Küstenwehrtürmen sind ca. 25 % fast vollständig zerfallen, 35 % in extrem baufälligen Zustand - dem natürlichem Verfall preisgegeben, - nur 40 % befinden sich Dank regionalen Restaurierungsarbeiten im optimalen Orginalzustand. Neben den einladend flachen Landebuchten(Strände) (Pula, Bosa, Villasimius, Cagliari, Alghero, Chia, Porto Torres, Oristano, Barisardo, Santa Teresa, Sinis, Pelosa, etc.) kann der Tourist die charakteristischen Symbole Sardiniens für wehrhafte Verteidigung noch heute bestaunen. In manchen dieser stummen Zeitzeugen Sardiniens (im Volksmund Sarazenentürme) finden regelmäßig für Besucher unbedingt sehenswerte Ausstellungen und touristische Führungen statt. |
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