Meersalzgewinnung
30 Meter hohe Hügel Teufelssattel Schubraupe auf Salzberg kein Glatteis  
Salzverarbeitung 1954 weithin sichtbar Salzkruste Querschnitt  Salzverarbeitung 2003 Hochsommer

Abfluß LaguneHier in den staatlichen Lagunen von Quartu St.Elena handelt es sich nicht um Schneematsch, sondern es breitet sich die älteste Saline Sardiniens aus, "Weißes Gold" wartet sehnsüchtig auf seinen Abtransport. Die ertragreichen Meersalzanlagen rund um Cagliari fördern im Sommer/Herbst ungewaschenes Rohsalz, künstlich angelegte flache Becken in Grösse mehrer Fussballfelder dienen auf 852 ha als Verdunstungsfläche.

Im Frühjahr wird die jeweils neue Erntesaison vorbereitet: Angesammeltes Regenwasser wird aus den Becken gepumpt, Zulaufkanäle werden gesäubert und Schleusen funktionstüchtig gemacht. Mit hölzernem Werkzeug bessern die Salzgärtner gebrochene Dämme aus und glätten den Boden der Kristallisationsbecken. Dann wird zum ersten Mal mit Meerwasser geflutet – möglichst mit Beginn der Schönwetterperiode, damit nicht ein Frühjahrsregen die Sole verunreinigt.

SalzseeIm August, in Zeiten der höchsten Jahrestemperaturen, ist die ungefilterte Wasserverdunstung durch Sonneneinwirkung und Wind in den Salinen am Größten. Die Farbzusammensetzung angesiedelter Algen verändert sich ins Rötliche, fache Strandseen sind für wenige Tage kontrastreicher Blickfang. Bei der übersättigten Lösung flocken die Meersalze am Beckenboden aus und nachdem überschüssiges Wasser über seitlich tieferliegende Ringkanäle abgeleitet wurde, trocknet die Sole bis zu einer 40 cm dicken Schicht ein. Salzseen verwandeln sich zu großflächigen Salzpfannen. In einem Liter Mittelmeerwasser sind ca. 30 bis 40 g kristallines Salz gelöst. Der riesige naheliegende Güterhafen von Cagliari ermöglicht abschließend einen raschen Abtransport des ausgekämmten Ertrages. Diese Ausbeute wird auf Transportschiffe verladen und nach Nordeuropa als Streusalz oder Bikarbonat (Brom, Sulfat, Magnesiumchlorid) an die chemische Industrie verkauft. Die ersten Regenfälle des Herbstes beenden die Erntesaison.

Nur ein kleiner Teil des geernteten Meersalzes wird durch einen mehrstufigen Wasch - und Kristalisationsprozess weiter gereinigt, chemisch gebleicht, gesiebt und gelangt schließlich als weißes Tafelsalz in den Handel. Die Gewinnung von Meersalz ist aber technisch deutlich weniger aufwendig gegenüber Steinsalz.

FlamingosDie heilende Kraft des Meersalzes war bereits im vierten Jahrhundert vor Christus bekannt. Heute ist die gesundheitsfördernde Wirkung von Meerwasser wissenschaftlich belegt. Salz besteht zum weitaus größten Teil aus Natriumchlorid. Naturbelassenes Meersalz ist außerdem reich an Sauerstoff, Mineralien und Spurenelementen (Kalium, Calcium und Magnesium, Schwefel, Brom und Eisen, Jod, Zink, Mangan und Selen) und besitzt dadurch eine positive Wirkung auf Schilddrüse, Haut und Stoffwechsel. Ihre kraftvolle Wirkung entfaltet sich ideal im Badewasser. Salzbäder straffen das Gewebe, fördern die Durchblutung und entfernen sanft abgestorbene Zellen der Haut. Meersalz ist auch die Lösung für viele Hautprobleme angefangen von Akne bis zur zart besaiteten trockenen Haut. Das Salz lässt die Haut aufquellen, wodurch sich Verhornungen und Unreinheiten leichter lösen. Zugleich wird Feuchtigkeit aus den tieferen Gewebeschichten nach oben gezogen, sodass das Hautbild danach rosig frisch und durchfeuchtet aussieht.

Ringkanal EntwässerungDas teuerste und edelste Speisesalz, das "fiore del sole" (Blüte der Sonne), entsteht nur an heißen, windstillen Tagen als hauchdünne Schicht an der Wasseroberfläche der Erntebecken. Wie der Rahm auf der Milch schwimmen die Kristalle oben auf und werden per Hand mit einer Holzschaufel abgeschöpft. Dieses Edelprodukt gewinnt man nur noch vereinzelt am Mittelmeer und es kommt immer unbehandelt in den Verkauf. Durch eine schonende Verarbeitung dieses Speisesalzes bleiben die natürlichen Mineralien und Spurenelemente (Calcium- und Magnesium-Sulfat-Anteile) vollständig erhalten. Fachleute rühmen seinen milden natürlichen Geschmack.

saline quartu draufsichtNoch im Jahr 1948 setzten die Salzbecken hier in Quaru, Maßstäbe für Europa, mit 492033 Tonnen pro Jahr wurde die Hälfte der gesamten italienischen Salzerzeugung erreicht. Schon 1960 waren es nur noch magere 180000 Tonnen Produktion; Durch den Absturz internationaler Salzmarktpreise wurde hier eine frustrierende Entwicklung für viele Einheimische eingeleitet; Hunderten von langjährig angestellten Salzbauern wurde die Suppe gehörig versalzen, als Zug um Zug wertvolle Arbeitsplätze ersatzlos wegfielen. Jetzt seit 1970 sind die weißen Halden rund um Cagliari selten und klein geworden. Teuer angeschaffte Förderanlagen rosten himmelschreiend vor sich hin und verfallen, weite Teile der riesigen Salzgärten verkommen seither zu wilden Müllhalden.                                                                                         nachNach oben oben

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