 |
Ein
engmaschiges Netz von ca. 7000 Stück, mehr oder weniger
gut erhaltenen historischen Nuraghertürmen aus der jüngeren
Steinzeit, überzieht prägend die Landschaft. Besonders
konzentriert im Landesinneren, im Tal der Nuraghen, bei "Torralba" reihen
sich im Abstand, jeweils auf Sichtweite, 270 Stück dieser
gigantischen Bollwerke; Die bekanntesten Wahrzeichen noch
im bestem Erhaltungszustand finden sich bei Barumini
(su Nuraxi), Abbasanta (Losa), Orroli (Arrubiu) oder Torralba
(St.Antine). Ausgegrabene
Zeugnisse antiker Statikkunst sind konisch wuchtige Rundtürme
(25 Meter hoch, 40 Meter Durchmesser) mörtellos erstellt,
bestehend aus bis zu 3 Stockwerken. Der geometrische Aufbau
dieser stolzen Nuraghen imponiert durch Struktur und einfach
präzise Linienführung, ringförmig in Reihen
aufgeschichtet, zur Form eines zyklopenhaften Kegelstumpfes.
Im statischen Gleichgewicht zwischen Schönheit und Stärke
sind tonnenschwere Basaltblöcke ohne Bindemittel mit
Zinnen, Schießscharten, Pechnasen fugenlos aufeinander
gebaut. Schon von Weitem sichtbar dominant in der Landschaft,
angsteinflößend, massige Erscheinungen, anscheinend
uneinnehmbar;
Das
dustere Innenleben der dreistöckigen Anlagen
wird bestimmt von fensterlos übereinander
gebauten Spitzgewölbekammern. Brennende
Keramikpfannen gefüllt mit Tierfett oder
Olivenöl leuchteten die stockdunklen fensterlosen
Innenräume aus. Stufen eines steinernen
innenliegenden Wendelganges verbinden tieferliegende
Wohnkammern mit der oberen Ausguckplattform;
Ein schmaler Haupteingang in die Nuraghe lag
teilweise sogar unterirdisch und war daher leicht
zu kontrollieren. Durch den im Innenhof, 20 Meter
tief gegrabenen Trinkwasserbrunnen und ausladende
Vorratsräume war es möglich einer eventuellen
Belagerung ausdauernd standzuhalten. Einzigartig
auf Sardinien, erreichen diese markanten Türme
ein so fortgeschritten, perfektes architektonisches
Niveau. Zahlreich und omnipräsent,
nirgendwo sonst auf der Welt gibt es in
dieser Form, diese monumentalen für die
Ewigkeit gebauten Steinkomplexe. Handelt es sich
bei den Bauwerken um eine Hinterlassenschaft
von Semiten - Mycener - Zyklopen - oder
gar des mysteriösen Seefahrervolkes "Shardana"?
Könnte man das Fenster zur rätselhaften
Vergangenheit doch nur öffnen, aber leider
haben fachkundige Baumeister dieser Rundtürme
der Nachwelt keine eindeutigen Überlieferungen
hinterlassen. Weder Heldensagen noch Schriftgravuren
geben klaren Aufschluß über die Nutzung
der Bastionen, so ist heute genug Spielraum für
allerlei phantasievolle Spekulation.
Die
bauliche Enge in den Anlagen läßt
nicht genug Platz für viele
wehrhafte Soldaten, geschweige denn
für zahlreiche schutzsuchende
Einwohner eines anliegenden Dorfes?
Meistens thronen die schwarzgrauen,
moosbewachsenen Ungetüme auf
topographisch höchsten Punkten
in ihrem Gebiet. Wollte man den Göttern
besonders nahe sein? Waren die Nuraghen
keine Festungen sondern gar religiöse
Kultstätten/Mausoleen/Sonnentempel?
Der Verschlußstein vom oberen
Kragkuppelgewölbe war beweglich
angelegt. Verschiebt man diese Deckplatte,
fällt durch die schmale runde Öffnung
ein gebündelter Sonnenstrahl
zentral auf den dunklen Zwischenboden.
Wurde durch diese Observatorien der
Lauf der Gestirne beobachtet, beteten
Priester das lebensspendende Licht
der täglich wiederkehrenden
Sonne an? In einer blühenden
Ackerbaugesellschaft ist der goldene
Schein dieses Sterns am Himmel als "heilig" zu
verehren. Auch diese Vermutung drängt
sich förmlich auf. Endgültig
aussagekräftige Beweise gibt
es nicht, und bisher ist es niemand
gelungen das Siegel der Zeit sicher
aufzubrechen. Warum hinterließ diese
derart hochstehende Lebensform, mit
einzigartig fortgeschritten technologischer
Entwicklung, zum Mittel der Komunikation
keine Schriftart? War es ein speziell
graphischer Code, den heutige Forscher
nur noch nicht erkennen können?
Bei diesen damals bautechnischen
Meisterleistungen erscheint es völlig
unverständlich, das zur Übermittlung
von Daten aus Architektur, Mathematik,
Statik, Geometrie, Handel, Militär,
Jagd keinerlei Aufzeichnungen gefertigt
wurden. Fragen über Fragen!
Die
sardische Archäologie
hat da noch gewaltigen
Nachholbedarf, wenngleich
schon viel geleistet
wurde, bleibt noch ein
großer Teil zu
entschlüsseln.
Freigelegte Waffenreste,
Bronzefiguren, Schmuck
und perfekte Töpferkunst
aus geheimnisvoller
Zeit sind zu bewundern
im Museo Archeologico
Nationale (Cagliari) und
im Museo delle valle
dei Nuraghi (Torralba). Auch über
die Herkunft der Bezeichnung "Nuraghe" streiten
noch die Gelehrten.
Die Namensgebung in
sardischer Sprache für
jene geheimnisumwobenen
Stätten lautet -- nurake. Das
Wort "nurakes" stammt
vermutlich aus latainischer
Ableitung und bedeutet
soviel wie: Höhle/Steinanhäufung.
Nach Jahrtausenden
Desinteresse und des Missbrauchs
als Baumaterial, werden
die berühmteren Nuraghen
heute touristisch praktisch
zu Tode geliebt. Es wirkt
beispielsweise die Ausgrabungsstätte "su
Nuraxi"(Barumini) wie
ein Touristenmagnet, denn über
80tausend internationale
Besucher jährlich
wollen das Weltkulturerbe
der "UNESCO" bestaunen. |
|