Von der Weltgeschichte fast vergessene, hochstehende Nuragherkultur
aber ehemals technisch und kulturell sehr   (ca.2000 v.Chr. bis 300 v.Chr)
  Gewoölbekuppel Innenansicht Losa Frontansicht Rampe Barbara Macomer
Barumini Ein engmaschiges Netz von ca. 7000 Stück, mehr oder weniger gut erhaltenen historischen Nuraghertürmen aus der jüngeren Steinzeit, überzieht prägend die Landschaft. Besonders konzentriert im Landesinneren, im Tal der Nuraghen, bei "Torralba" reihen sich im Abstand, jeweils auf Sichtweite, 270 Stück dieser gigantischen Bollwerke; Die bekanntesten Wahrzeichen noch im bestem Erhaltungszustand finden sich bei Barumini (su Nuraxi), Abbasanta (Losa), Orroli (Arrubiu) oder Torralba (St.Antine).   Ausgegrabene Zeugnisse antiker Statikkunst sind konisch wuchtige Rundtürme (25 Meter hoch, 40 Meter Durchmesser) mörtellos erstellt, bestehend aus bis zu 3 Stockwerken. Der geometrische Aufbau dieser stolzen Nuraghen imponiert durch Struktur und einfach präzise Linienführung, ringförmig in Reihen aufgeschichtet, zur Form eines zyklopenhaften Kegelstumpfes. Im statischen Gleichgewicht zwischen Schönheit und Stärke sind tonnenschwere Basaltblöcke ohne Bindemittel mit Zinnen, Schießscharten, Pechnasen fugenlos aufeinander gebaut. Schon von Weitem sichtbar dominant in der Landschaft, angsteinflößend, massige Erscheinungen, anscheinend uneinnehmbar;
Das dustere Innenleben der dreistöckigen Wehranlagen wird bestimmt von fensterlos übereinander gebauten Spitzgewölbekammern. Brennende Keramikpfannen gefüllt mit Tierfett oder Olivenöl leuchteten die stockdunklen fensterlosen Innenräume aus. Stufen eines steinernen innenliegenden Wendelganges verbinden tieferliegende Wohnkammern mit der oberen Ausguckplattform; Ein schmaler Haupteingang in die Nuraghe lag teilweise sogar unterirdisch und war daher leicht zu kontrollieren. Durch den im Innenhof, 20 Meter tief gegrabenen Trinkwasserbrunnen und ausladende Vorratsräume war es möglich einer eventuellen Belagerung ausdauernd standzuhalten. Einzigartig auf Sardinien, erreichen diese markanten Türme ein so fortgeschritten, perfektes architektonisches Niveau. Zahlreich und omnipräsent, nirgendwo sonst auf der Welt gibt es in dieser Form, diese monumentalen für die Ewigkeit gebauten Steinkomplexe. Handelt es sich bei den Bauwerken um eine Hinterlassenschaft von Semiten - Mycener - Zyklopen - oder gar des mysteriösen Seefahrervolkes "Shardana"? Könnte man das Fenster zur rätselhaften Vergangenheit doch nur öffnen, aber leider haben fachkundige Baumeister dieser Rundtürme der Nachwelt keine eindeutigen Überlieferungen hinterlassen. Weder Heldensagen noch Schriftgravuren geben klaren Aufschluß über die Nutzung der Bastionen, so ist heute genug Spielraum für allerlei phantasievolle Spekulation.
Die bauliche Enge in den Anlagen läßt nicht genug Platz für viele wehrhafte Soldaten, geschweige denn für zahlreiche schutzsuchende Einwohner eines anliegenden Dorfes? Meistens thronen die schwarzgrauen, moosbewachsenen Ungetüme auf topographisch höchsten Punkten in ihrem Gebiet. Wollte man den Göttern besonders nahe sein? Waren die Nuraghen keine Festungen sondern gar religiöse Kultstätten/Mausoleen/Sonnentempel? Der Verschlußstein vom oberen Kragkuppelgewölbe war beweglich angelegt. Verschiebt man diese Deckplatte, fällt durch die schmale runde Öffnung ein gebündelter Sonnenstrahl zentral auf den dunklen Zwischenboden. Wurde durch diese Observatorien der Lauf der Gestirne beobachtet, beteten Priester das lebensspendende Licht der täglich wiederkehrenden Sonne an? In einer blühenden Ackerbaugesellschaft ist der goldene Schein dieses Sterns am Himmel als "heilig" zu verehren. Auch diese Vermutung drängt sich förmlich auf. Endgültig aussagekräftige Beweise gibt es nicht, und bisher ist es niemand gelungen das Siegel der Zeit sicher aufzubrechen. Warum hinterließ diese derart hochstehende Lebensform, mit einzigartig fortgeschritten technologischer Entwicklung, zum Mittel der Komunikation keine Schriftart? War es ein speziell graphischer Code, den heutige Forscher nur noch nicht erkennen können? Bei diesen damals bautechnischen Meisterleistungen erscheint es völlig unverständlich, das zur Übermittlung von Daten aus Architektur, Mathematik, Statik, Geometrie, Handel, Militär, Jagd keinerlei Aufzeichnungen gefertigt wurden. Fragen über Fragen!
Die sardische Archäologie hat da noch gewaltigen Nachholbedarf, wenngleich schon viel geleistet wurde, bleibt noch ein großer Teil zu entschlüsseln. Freigelegte Waffenreste, Bronzefiguren, Schmuck und perfekte Töpferkunst aus geheimnisvoller Zeit sind zu bewundern im Museo Archeologico Nationale (Cagliari) und im Museo delle valle dei Nuraghi (Torralba). Auch über die Herkunft der Bezeichnung "Nuraghe" streiten noch die Gelehrten. Die Namensgebung in sardischer Sprache für jene geheimnisumwobenen Stätten lautet -- nurake. Das Wort "nurakes" stammt vermutlich aus latainischer Ableitung und bedeutet soviel wie: Höhle/Steinanhäufung.
Nach Jahrtausenden Desinteresse und des Missbrauchs als Baumaterial, werden die berühmteren Nuraghen heute touristisch praktisch zu Tode geliebt. Es wirkt beispielsweise die Ausgrabungsstätte "su Nuraxi"(Barumini) wie ein Touristenmagnet, denn über 80tausend internationale Besucher jährlich wollen das Weltkulturerbe der "UNESCO" bestaunen.
Haupteingang
Schnittzeichnung
Nuraghe is Paras
Innenansicht Turm
Sonnentempel
bei Macomer
Baustelle vor 4000 Jahren
barumini Innenhof
Innenansicht Kuppel offen
Außenmauer Kante
Luftaufnahme
Antine Draufsicht Madrone Silanus bei Suni   Orolo Bortigali
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