Der
Duft von Massageöl liegt im Hotelflur, dazu metallisches Klacken
der Klickpedale auf den Gängen, die Parade rasierter sehniger
Radlerbeine im Anmarsch. Frühes Aufstehen ist angesagt, denn
der Weg nach Dorgali birgt zahlreiche Beschwerlichkeiten, darunter einen heftigen 11 % Stich
gleich zu Beginn. Die letzten 17 Kilometer geht´s zeitweise
steil bergab. Ausscheidungsrennen am Berg ? Hier im 1800 Meter hohen
Kalksteinmassiv des "Gennargentu" ist
nur für leichte "Radgemsen" ein ideales Übungsgelände.
Klar das am Berg schon mal ein kleines Rennen drin ist, wenn die
Beine gut sind. Von Santa
Maria Navarese auf der Nationalstraße N 125 nach Norden geht
es von Beginn an gleichmäßig knackig aufwärts durch duftende Erdbeerbaumwälder.
Man rollt auf schmaler Ortsdurchfahrt vorbei am kleinen Bergdorf
Baunei,
sieht am Wegesrand ältere Frauen vermummt in schwarzer Witwentracht, die Zeit scheint hier
stehen geblieben zu sein. Der ganze Küstenstrich gilt als einer
der letzten Wildnisgebiete im gesamten Mittelmeerraum und ist seit
Jahren zum Nationalpark erklärt. Langsam erkennen die Sarden,
wie einmalig wertvoll und schützenswert dieser Landschaftsabschnitt
ist. Die Landschaft ist sehr zergliedert, häufig unterbrochen
von engen Schluchten, imposanten Kalkbefestigungen, weiten Plateaus,
tiefen
Dolinen sowie versteckten Klammen. Aufgrund des zerklüfteten
Kalksteins, der jeden Regentropfen schluckt und ihn in große
unterirdische Stauseen leitet, fehlt jegliches Oberflächenwasser.
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Auf den unzugänglichen
Bergspitzen nisten noch ungestört Adler und Gänsegeier. Freilaufende Mufflonherden oder halbwilde
Schweine queren aufgescheucht die Teerstrasse ins schützende
Unterholz, herabgefallene rote Corbezzolofrüchte sind ein gefundenes
Feinschmeckerfressen für
diese Tiere. Nur keine Angst vor diesen hungrigen Zeitgenossen, auch wenn sie stückzahlmäßig
in der Überzahl sind. ("Schweine im Wald, heut dürft
ihr noch stinken, morgen seit ihr vielleicht schon sardischer Schinken"); Unsere
gewählte, gut ausgebaute Route führt durch betonierte Felsgalerien
mit außergewöhnlichem Rundblick auf wildes Bergpanorama
des Nationalparks und auf die urige Schlucht "Gola
su Gorruppu". Die gesamte Wegbeschilderung auf Sardinien
ist übersichtlich und umfassend angelegt. Aber durch die weitverbreitete
Unsitte, neue Verkehrsschilder als Zielscheibe für Schrottflinten
zu benützen, ist der durchlöcherte Verkehrhinweis oft nicht
mehr zu lesen. Des öfteren weisen uns Verkehrsschilder Erdrutsch/Steinschlag
auf eine rauhe Umgebung hin, denn in manchen Wintern, bei heftigem
Regen wird hier die Straße schon schnell mal weggespült
und für
Wochen unterbrochen. Die
letzte Hürde noch hinauf zum Bergübergang "genna
Silana" nehmen, geschafft!
An der Passhöhe lädt die kleine Bar zur Verpflegungspause
ein, "latte
macchiatto" mit croissant. Nun lassen wir es surren, es
folgen 14 Kilometer Serpentinen steil abwärts Richtung
Dorgali, dabei huscht rechter Hand die dunkle Tunnelabfahrt Cala
Gonone vorbei. Noch 5 Kilometer bis ins Zielhotel, dort
tauschen wir die Radbekleidung mit der Badekleidung, ins erfrischend
klare Meerwasser
springen und den Abend locker ausklingen lassen.
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