Härtetest in den Ausläufern des "Monte Linas"

Montevecchio Panorama Bidderdi Pass Mine Nebida pan die zucchero Kalksteinmassiv

RadtrainingAb in die Sattel unserer Drahtesel, als persönliche Herausforderung steht die Königsetappe an, kräftezehrendes Vernichten von Höhenmetern ist angesagt! Bewußt haben wir hier eine etwas anspruchsvollere Trainingseinheit ausgearbeitet, da viele ambitionierte Vereinsradler zur Vorbereitung, rechtzeitig zum Saisonbeginn schon entsprechend Kilometer in den Beinen haben wollen; Windungsreich steigt das Teerband am Ortsausgang Iglesias in nördliche Richtung Fluminimaggiore  sofort bissig an, öfters müssen wir den "Rettungsanker" hinten auflegen. Spitzkehren mit 180 Grad sind keine Seltenheit auf der verkehrsarmen Strasse. Während die Steigung weiter die Kräfte raubt, schweift der Blick über drei Autowracks die nebenan im tiefen Abgrund verrosten. Die Leitplanke schaut auch recht neu aus... (Ob die allgegenwärtige Christopherusplakette am Armaturenbrett wirklich immer hilft? Der sardische Autofahrer scheint es zu glauben.) Die Stille wird nur unterbrochen durch das Bimmeln vereinzelter Glöckchen bei den freilaufenden Schaf/Ziegenherden. Am Wegesrand ziehen verfallende eindrucksvolle Bergbauruinen vorbei, mahnende Symbole einer niedergegangenen Erzindustrie aus den goldenen 60´Jahren. Im Örtchen Fluminimaggiore prangen an den Häuserwänden noch farbige Protestmalereien gegen diese zahlreichen Minenschliessungen. Schlagartig nahm in dem verfallenden Bergbaugebiet die Massenarbeitslosigkeit nie gekannte Ausmaße an.

Weiter rollen wir gleichlaufend zum Fluß ca. 11 Kilometer zick zack nur aufwärts, mit Steigungsprozenten zwischen 7 und 10 Prozent, aber mit wunderschönen Panoramablicken ins Tal. Die Radsportclubs aus dem Umland Iglesias richten alljährlich auf diesem bewegtem Streckenprofil zum passo Bidderdi ihre Vereinsmeisterschaften im Bergzeitfahren aus, der noch gut erkennbare Zielstrich am Höhenübergang ist uns Motivation für kleine gruppeninterne Sprinteinlagen. Aber die Berge und ich, - Freundschaft heute und in ferner Zukunft - ganz sicher ausgeschlossen; Nachdem wir im Dorfzentrum Arbus unsere Verpflegung ergänzt haben und kurz am berühmten Messermuseum vorbeigeschaut haben, nehmen wir den Rückweg unter die Laufräder. What goes up must come down. Auf neu geteerter, breiter Fahrbahn SP 83 beginnt nun 8,2 Kilometer lang eine Achterbahnfahrt abwärts. Die Ebene öffnet sich, umgebende Vegetation wechselt sofort, Palmen, Pinienwälder und Zitronenbäume begleiten uns jetzt, das Meer können wir schon riechen. Salzig warmer Gegenwind bläßt beständig ins Gesicht, als willkommene Erfrischung schickt der Gott der Radfahrer einen wilden Feigenbaum voll mit saftigsten reifen Früchten. Dieser Genuß zergeht ausgiebig auf der Zunge ! Rechts neben unserem Weg ruht fünf Kilometer lang, feiner gelber Quarzsand am Meeresufer sauber eingebettet zwischen 2 FelsenkapsAnklicken. Seit im Bergbauort Buggerru ein neuer Jachthaften angelegt wurde, schießen jetzt in dieser Region Ferienwohnungen, wie Pilze aus dem Boden. Wir grüßen in der Abendsonne noch kurz den markanten 132 Meter hohen Felsbrocken im Meer pan di zucchero und sausen durch die Siedlung Nebida, schließlich haben wir nur noch 15 Kilometer bergab in Richtung Iglesias vor uns.

 
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