Der
Gott der Radfahrer hat den Himmel wie immer blankgeputzt, wir rollen
aus der Vorstadt Quartu auf
der Nationalstrasse SS 125 wieder Richtung
Muravera nach Nordosten. Nach
der Passüberquerung "arcu e tidu" geht's
auf windungsreichen Schleifen abwärts durch das enge Silbertal,
in eine bekannte Anbauregion für Südfrüchte. Die
SS 125 benimmt sich hier wie eine Strasse im Hochgebirge: Steigungen,
Serpentinen,
und Gefälle
bis 10 %, weite Kurven runter in Flußtäler, kurze Strecken
durch Felder und Wälder. Man hat nie das Gefühl auf einer
begrenzten Insel zu sein, es wird nie langweilig, um jede Ecke öffnen
sich neue wundervolle Panoramen. Es zeigen sich traumhafte Postkartenansichten,
offenes
Meer glänzt in der Morgensonne silbern zu uns herüber wie
ein Spiegel. Vor der Stadtgrenze Villasimius
zweigen wir rechts ab, auf die SP 17, dem
Wegweiser Cagliari nach in westliche
Richtung. In weitläufigem Bogen geht's zurück
durch eine Landschaft mit exotischer Vegetation. Lange gerade Eukalyptusalleen
und übervolle Zitronen oder Orangengärten begleiten uns.
Linker Hand lassen wir den spanischen Wehrturm "su fenugu" liegen,
niedriges Buschwaldgesträuch (macchia) bedeckt vorbeiziehende
Landstriche wie ein duftend immergrüner Pelz, schade das
wir diesen betörenden Duft nicht auf Photo für Sie festhalten
kann. Der wellige Streckenabschnitt darf auf keinen Fall körperlich
unterschätzt
sein, zwar erscheint die Topographie auf den ersten Blick unspektakulär,
doch wer die namenlosen Anstiege falsch einschätzt, wird seine
böse Überraschung schnell erleben. |
Von
Meereshöhe 0 auf 250 Höhenmeter zieht
es sich, wieder runter auf 0 und weiter voraus ist vor Augen schon
wieder
die nächste Auffahrtsrampe in den Hang geschnitten. Zusätzlich
arbeiten noch Sonne und zermürbend beständiger Gegenwind
an Ihren Muskelfasern. (laut Wetterstatistik gibt es nur 30 vollkommen
windstille Tage pro Jahr). Aber - keine Gnade für die Wade !!!
Die windungsreiche Bergfahrt zum Capo
Boi verkraftet
man am Besten mit genußvollen Gedanken an Kaffeepause im Zielort
Quartu. Auf dem leicht abschüssigen
Rückweg können sich Ihre Beinmuskeln wieder etwas lockern,
es laden 1001 Badebuchten mit langen feinkörnigen Sandstränden
zum erfrischenden Schwimmen in den Wellen, aber leider haben wirheute
wenig
Zeit für diese Verlockungen? Nur 5 Kilometer vor dem Ziel rollen
wir durch Foxi, hier muss man
unbedingt einen kurzen Einkehrschwung wagen, denn in der versteckten
Eisdiele ("il
Giardino"), haben wir im ausgiebig harten Selbstversuch,
nur für
Sie, das beste gelato der Umgebung getestet. Diese aufgeführte
Etappe sollte man besser nicht auf Sonntag legen, denn grundsätzlich
pflegt jeder Sarde mit dem Auto "spazieren" zu fahren,
daher ist der Wochenendverkehr auf dieser Panoramastraße dicht
und grausam nervig. Aber
erschrecken und ärgern
Sie sich bloß nicht über gelegentliches Hupen der PKW,
denn entweder sitzt ein fanatischer Radfan am Lenkrad, oder der PKW
kündigt
nur dem schwächeren Verkehrsteilnehmer seinen Überholvorgang
an. Denken Sie daran: SIE haben Urlaub! Grundsätzlich gehören
ein lautes Autoradio und die Signalhupe zu den wichtigsten Bauteilen
im Auto, der optionale Blinker
für die Richtungsanzeige ist dagegen
meistens nur farblicher Zierrat. |