Brauchtum / Tradition / Kultur

 
Fischerkinder Cabras Von Kindesbeinen an 93 Jahre Folklore Bosa Peter und Paul Stolz auf Tradition Generation Brauchtuman Reiterspiele
MuraveraDurch wechselvolle geschichtliche Einflüsse fremder Eroberer, entwickelten die Sarden über Generationen ein starkes Bewußtsein für eigene gewachsene Kulturgüter und Überlieferungen. Religiöses Brauchtum und kulturelle Traditionen der sardischen Bevölkerung, bieten dem interessierten Besucher nachhaltige, eindrucksvolle Momente. 
Der erste wichtige Termin im Jahr ist sicher der Karneval. Bei dieser Gelegenheit tanzt durch die Gassen vieler Städte, unter lebhafter Beteiligung der ausgelassenen Bevölkerung, ein Wirbel an traditionellen Verkleidungen und Masken, welche schon eine lange freudvolle Geschichte vorweisen können. Nach Informationen aus regionaler Literatur und Studien auf dem Gebiet, dürfte der Karneval eigentlich an zwei verschiedenen Daten im Jahr beginnen. Einmal am Neujahrstag oder mit dem Fest des Feuerheiligen "St. Antonio Abate" Mitte Januar. Die bedeutungsvollsten Tage der närrischen Zeit waren und sind umfaßt in der letzten Karnevalswoche, zwischen dem lumpigen Donnerstag (giovedi grasso) und dem ausgelassenen Faschingsdienstag. Der imposante Abschluß der närrischen Festwochen findet meist mitten auf den öffentlichen Dorfplätzen im Zentrum statt, hier werden am Abend des Faschingsdienstag gigantische Scheiterhaufen angezündet, auf denen lustige Puppen von enormer Größe verbrannt werden; Berühmt für improvisierten fröhlichen Karneval sind Orte wie: Tempio, Bosa, Cagliari, Oristano, Ottana, Mamoiada, Iglesias oder Alghero.

Carneval in Mamoiada

Rotrock auf und ab springen Jugendtraining nacher trinken wir ein  Bierchen auf und ab springen friedliches Beisammensein Vorgabe schwarzes Fell
Einen ganz anderen, etwas weniger farbenfrohen Fasching erlebt man in den verschlossenen Bergdörfern der Barbagia. Hier im Landesinneren werden düstere Geister aus der sardischen Dämonenwelt dargestellt. Beispielsweise in Mamoiada mit dem Umzug der traditionellen Holzmasken; Wilde laute Gesellen mit handgeschnitzten Holzmasken beherrschen alljährlich immer ab 17. Januar die Straßen, jetzt wird der Fasching eingeläutet und der dunkle unfreundliche Winter vertrieben; Die "Issohadores" Lassowerfer in roten Uniformen symbolisieren die Jäger von fliehenden Bestien. Zielgenau fangen sie Zuschauer am Straßenrand ein, insbesondere hübsche Mädchen sind die überraschten Opfer, als Auslöse wird der "Gefangenen" natürlich ein süsses Küßchen abverlangt; Begleitet werden die Rotröcke vom rhythmischen Glockenkonzert der finsteren "Mamuthones". Dieser antike Name stammt ab von der Bezeichnung eines Teufels/Geistes (Maimone). Der echte Mamuthone ist bekleidet mit typisch dunkelbrauner Kordjacke der Hirten (Matruca), darüber der Fellmantel nur von schwarzen Schafen, das wahre Gesicht wird verborgen hinter ausdrucksstark schwarzer Holzmaske (Bisera) mit großer auffälliger Hakennase. In Gruppen je 20 Mann springen die pelzbehängten Bestien gleichzeitig im vorgegebenen Takt schwerfällig minutenlang auf und ab, dabei scheppert martialisch eine Glockentraube von 70 - 80 Schellen auf jedem Rücken; Mit einem Gewicht von 30 kg nur der umgeschnallten Schafsglockengebinde, ohne den schweren schwarzen Schaffellmantel, ist diese "getanzte Prozession" bei oft 30 Grad im Schatten, sportliche Höchstleistung. Wegen extremem Schweißverlust muß in den kurzen Pausen ständig medizinisches Begleitpersonal mit Trinkwasser bereit stehen; Diese rituellen Tänze sind vermutlich antike Versöhnungsriten mit Göttern und stehen in Verbindung mit dem schweren Leben auf Feld und Flur. (Die Ortschaft "Mamoiada" stellt ganzjährig Orginalmasken und Kostüme im Faschingsmuseum aus);

Religiöse Feier der Heiligen "Sant´Antonio Abate" / "san Sebastiano"

St. Abate Freudenfeuer Winter austreiben Faschingsbeginn
Nach einer sardischen Legende, entführte der Heilige "Antonio Abate" im Kampf mit dem Teufel, aus der Hölle das Feuer und überantwortete es den Menschen. Es sollte Reinheit, Fruchtbarkeit bringen und alle bösen Geister zerstören? Am Abend des 17. Januar werden zu Ehren dieser Namenspatrone in vielen Städten in Sardinien (Monastir, Villaputzu, Decimo, Barumini, Turri, Bosa, Dorgali, Baunei), mächtige Holzfeuer entzündet. (9 Meter hoch, 10 Meter Durchmesser, ca. 150 Steer gesammeltes Holz) 3 Tage brauchen die Burschen um diese gewaltigen Holzstöße aufzuschichten, meist auf belebten Plätzen im Dorfzentrum. Mit aufziehender Dämmerung versammeln sich rund um die kirchlich gesegneten Scheiterhaufen fröhliche Menschenmassen. Bei diesem heißen Spektakel erwärmen sich Jung und Alt und bringen dabei ihre ungezwungene Freude zum Ausdruck, es wird viel gelacht, getanzt, gesungen rund um diese imposanten Feuerhaufen. Licht und Wärme sollen endlich den Winter vertreiben, er muß den mystischen Feuertod sterben, Frühling soll werden. Wagemutige einheimische Jugendliche springen in Aufsehen erregender Weise über die Gluthaufen und werden dabei stürmisch von den Umstehenden gefeiert. Die örtliche Dorfbevölkerung versorgt dazu gastfreundlich alle anwesenden Besucher mit Erbsensuppe, Weißbrot und viel regionalem Wein. Oft ist Party an diesem Funkenfeuer die ganze Nacht durch bis zum Katerfrühstück am nächsten Morgen. Holzkohlereste und Asche der geweihten Flammen werden natürlich aufgehoben, schließlich wird ihr heilende Wirkung bei Krankheiten von Mensch und Tier nachgesagt.

Der Männerchor von Bosa, eine uralte Tradition;

     
Mystische Chorgesänge stellen eine Art Zwiesprache dar. Der reihum wechselnde Vorsänger zitiert Verse, die vom restlichen Männerchor beantwortet werden. Schriftstücke, die von den Bosaner Fähigkeiten im Choralgesang berichten, reichen weit zurück bis auf das Ende des 14. Jahrhunderts. Zu jener Zeit besaß Bosa als königliche Stadt und Bischofsitz eine Kathedrale mit Chorgesangsgruppe, dazu einen Lehrmeister mit deutlichem Eifer in der Ausuebung der Liturgie. Das Chorlied wurde aber im Laufe der spanischen Herrschaft nicht nur zur Begleitung der Liturgie gesungen, sondern war auch außerhalb der Kirche Bestandteil von Freude und Schmerz im alltäglichen Leben. So wurde die chorale Vokalmusik in Bosa geboren. Hört man aufmerksam den Melodien und typischen Stimmprägungen zu, erkennt man, - auch wenn der Lauf der Zeit den gepflegten Umgang etwas in Unordnung gebracht hat, - die Wurzeln aus gregorianischer Monodie, byzanthinischem Chorgesang, arabische und darauffolgend spanische Einfluesse. Vom musikalischen Gesichtspunkt aus gesehen, zwingt sich der Chor, unveraenderte Strukturen zu bewahren, den Fortgang und die Art und Weise antiker Musik zu gewährleisten. Die Vokallieder sind angestimmt in Bass oder Tenor und werden in Oktaven gesungen, wobei jeder auf den Anderen Rücksicht nimmt. Dies ist die Struktur des Bosaner Chores und hat so Bestand seit Jahrhunderten. Das Liederprogramm des Chores ist äußerst umfassend. Außergewöhnliche einprägsame Vokallieder des Programms, wie beispielsweise "Bosa resuscitada und Gibildri gibildro" sind ziemlich bekannt bei Wertschätzern von choralem Gesang auf der ganzen Insel.
Der dänische Regisseur Olla Rasmussen stellte den Bosaner Gesangsverein in das Zentrum eines abendfüllenen Filmes, erhielt dafür weitgehende öffentliche Zustimmung und positive Kritik bei seiner grossartigen Erstaufführung in Kopenhagen im Jahr 1998.
Der Chor von Bosa hat schon an allen wichtigen sardischen Plätzen gesungen, viele italienische Konzerthallen gefüllt (Turin, Mailand, Rom), ist in zahlreichen europäischen Orten (Kopenhagen, Lyon, Metz) aufgetreten und tauchte im französischen Fernsehen Antenne 2 oder in den nationalen Radioprogrammen von Belgien auf. Es wurden für verschiedene Handelsmarken Tonaufnahmen gefertigt, darunter bereits schon Mitte der sechziger Jahre, fuer die RAI (italienische Rundfunk und Fernsehsender).
Die Gesangsgruppe zählt mittlerweile 16 greifbare Mitglieder aus mehreren Generationen (3 mal Bass, 7 mal Contra, 3 Tenöre, 3 Altstimmen) und befindet sich z.Zt. im Umwandlungsprozess zu einer privaten Gesellschaft mit der Bezeichnung "Associazione Choro di Bosa".

"Ballu tundu" (ballo sardo)

Uralter sardischer Nationaltanz, synchroner Rundtanz in akrobatisch schnellen Tippelschritten, dem schnellen Takt der mitreißenden Musik folgend. Fast jeder Ort hat seine eigene Tanzgruppe. Trotz Discotheken, Techno und Raptanz, steht der ballo sardo auch bei Jugendlichen an erster Stelle. Alle Altersklassen lieben, lernen und beherrschen den Volkstanz perfekt.

Launeddaspieler

Die Hirtenflöte "launedda" gilt als ältestes Blasinstrument der Welt. Bereits die Ureinwohner der Insel, die Nuragher beherrschten diese dreirohrigen Schilfrohrpfeifen.
     
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